Die Handball-Luchse aus Buchholz-Rosengarten sind seit 2008 Dauergast in der
Handball-Bundesliga, 11 Jahre davon in der zweiten Bundesliga mit insgesamt fünf
Meistertiteln und vier Jahre im Oberhaus. Das bisherige Highlight der
Vereinsgeschichte war die Teilnahme am Final4 des DHB-Pokals 2021.
Es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit ein Verein über so einen
langen Zeitraum in einem Umfeld, das ständig auch neue, ebenfalls erfolgsorientierte
Teams aus den dritten Ligen hervorbringt, so kontinuierlich und erfolgreich „oben“
mitspielt.
Exemplarisch gilt das für das Betreuungsteam, das im Management, in der
medizinischen Betreuung oder durch die Übernahme unterschiedlicher
ehrenamtlicher Aufgaben die Grundlagen legt, damit die Handball-Luchse
unbeschwert aufspielen können.
Einen besonderen Stellenwert hat die lautstarke und emotionale Unterstützung durch
die treue Fangemeinde, die bei Heim- und Auswärtsspielen unterstützt – gerade
auch dann, wenn es mal nicht rund läuft. Aber es bringt noch mehr Spaß, wenn wir
Erfolge feiern können.
Im Hintergrund müssen zudem die finanziellen Aspekte stimmen; durch den
Ticketverkauf wird nur ein Teil der benötigten Mittel eingenommen. Die dem Verein
verbundenen Sponsoren machen es überhaupt erst möglich, dass ein Spielbetrieb
auf diesem hohen Niveau in Buchholz über diese lange Zeit erbracht werden kann.
Und schließlich … und das ist der wesentlichste Punkt … braucht der Verein die
passenden Spielerinnen, die mit Engagement, Teamgeist und Leidenschaft dafür
kämpfen, dass das Team der Handball-Luchse über Jahre hinweg tolle Leistungen
erbringt und die Zuschauerinnen und Zuschauer begeistert.
Wie aber kommen junge Spielerinnen zu den Luchsen? Welchen Weg haben die
Mädels bereits hinter sich und wie werden sie in ihrer sportlichen Entwicklung weiter
gefördert? Was treibt sie an und welche Ziele haben sie?
In einer kleinen Fortsetzungsstory stellen wir junge Spielerinnen und deren bisherige
Karriereverläufe vor, die im letzten Jahr zu den Handball-Luchsen nach Buchholz-
Rosengarten gewechselt sind.
Da ist zum Beispiel Emma Hüge, die im Februar 2023 zu den Handball-Luchsen
stieß, in einer Situation, die für die Mannschaft aufgrund der zu diesem Zeitpunkt
zahlreichen Verletzungsausfälle ausgesprochen schwierig war. Emma ist mit gerade
19 Jahren die jüngste Spielerinnen innerhalb des sowieso noch jungen Teams. Bereits
mit sechs Jahren begann sie beim ATSV Stockelsdorf in der Nähe von Bad
Schwartau mit dem Handballspielen, sammelte Erfahrungen beim AMTV Hamburg und
bei der HSG Blomberg-Lippe. Dort kehrte sie 2021 aus persönlichen Gründen nach
Bad Schwartau zurück und spielte für den dortigen VfL in der A-Jugend-Bundesliga
sowie für die HSG Mönkeberg/Schönkirchen auf der Spielmacherposition im
Rückraum erfolgreich in der dritten Liga. Die bislang persönlich größten Erfolge
waren für Emma 2021 die Vizemeisterschaft der B-Jugend mit der HSG Blomberg-Lippe und das zweimalige Erreichen des Viertelfinals in der A-Jugend. 2021 gelang
es ihr mit der HSG Blomberg-Lippe und 2022 mit dem VfL Bad Schwartau.
In dem folgenden Interview stellen wir Emma Hüge etwas näher vor.
Hallo, Emma. Du bist seit Februar bei den Handball-Luchsen. Eine gute
Entscheidung?
Für mich ist der Wechsel zu den Handball-Luchsen eine riesige Chance mich in
einem so professionellen Umfeld weiterentwickeln zu können.
Seit meinem Beginn hier in Buchholz wurde ich bereits achtmal in der ersten
Mannschaft eingesetzt und konnte Spielpraxis in der zweiten Mannschaft sammeln.
Tatsächlich bedeutet der Wechsel für mich einen großen Entwicklungsschritt, vieles
ist plötzlich möglich. Ich habe noch nicht wirklich ganz realisiert, dass ich schon in
der zweiten Liga mitspielen kann. Das ist für mich so ein bisschen, wie ein wahr
gewordener Traum.
Wie bist Du vom Team aufgenommen worden?
Super angenehm. Die Spielerinnen sind sehr offen und herzlich auf mich
zugekommen. Natürlich bin ich mitten in der Saison zur Mannschaft gestoßen und
war damit nicht in der Teambuildingphase am Saisonbeginn dabei, das wird dann mit
dem Start in die neue Spielzeit anders sein.
Ich habe das Team als fokussiert und ehrgeizig erlebt, aber wir schnacken und
lachen auch viel miteinander. Ich fühle mich sehr wohl bei den Luchsen.
Du hast erwähnt, dass Du in der zweiten Mannschaft zusätzliche Spielpraxis
sammelst.
Die Luchse II sind keine „normale“ zweite Mannschaft, sondern wir spielen durch die
vielen Ex-Bundesligaspielerinnen, wie Kim Land oder Evelyn Schulz auf einem
Super-Niveau. Ich kann mir da viel abgucken und lernen und das ohne den ganz
großen Erfolgsdruck.
Und auch hier schätze ich den direkten Austausch mit Trainer und meinen
Mitspielerinnen sehr.
Und die Krönung war, dass wir jetzt im Juni mit der Mannschaft in einem spannenden
Spiel Hamburger Pokalsieger geworden sind. Wir hätten sicherlich etwas besser
spielen können, aber das Endergebnis mit 16:15 Toren gegen die SG Altona zählte
letztlich.
Zurück zur ersten Mannschaft. Wie hast Du die bisherigen Spiele erlebt?
Die Situation war mit den vielen verletzten Spielerinnen für das Team im Februar und
März echt schwierig und sicherlich spiegelt der sechste Tabellenplatz nicht unser
volles Potenzial, wenn wir unter „normalen“ Umständen gespielt hätten. Aber ich teile
die Einschätzung unseres Trainers Dudo, dass wir stolz sein können, unter diesen
Umständen immerhin den 6. Platz erreicht zu haben.
Und mein persönliches Highlight war sicherlich mein Tor gegen die Füchse zuhause
in der NordHeideHalle.
Eine besondere Herausforderung ist ja für alle Handballspielerinnen, die sich
auf solch hohem Niveau bewegen, Ausbildung/Beruf, Hobbies und den Sport
irgendwie zu vereinbaren.
Ja, das stimmt grundsätzlich. Derzeit befinde ich mich noch in meinem FSJ beim
Kreishandballverband Lübeck. Durch großes Entgegenkommen meiner Einsatzstelle,
ist es mir aktuell möglich den großen Fahr-, Trainings- und Spielaufwand geregelt zu
bekommen.
Ab Oktober beginne ich ein duales Studium in Hamburg und werde mir dann meinen
Tagesablauf mit Studium, der praktischen Ausbildung bei einer Hamburger
Designagentur und den Trainingseinheiten gut strukturieren müssen.
Zum Abschluss: Was wünscht Du Dir und was erwartest Du mit dem Verein für
die nächste Saison und für Dich in der sportlichen Zukunft?
Wir sollten dort weitermachen, wo wir Ende der letzten Saison aufgehört haben. Wir
spielen einen guten Ball und dann wäre es schön, wenn wir uns in der Tabelle noch
etwas nach oben orientieren könnten. Es wird spannend werden, wie sich unser
Team nach dem Abgang der erfahrenen Spielerinnen Mareike Vogel und Sarah
Lamp neu formiert und wer neben Svea Geist dann stärker mitgestaltet. Und ich
wünsche mir, dass wir von größeren Verletzungen verschont bleiben.
Für mich persönlich habe ich das Ziel, richtig in der Mannschaft anzukommen; ich
freue mich auf die Vorbereitung und die neuen Herausforderungen – nach unserer
Sommerpause.
Nach meiner Rückkehr aus Blomberg habe ich gewusst, dass ich mich im Norden
wohl fühle und möchte auch gern hier in der Region bleiben.
Und es wäre cool, wenn wir mit den Handball-Luchsen – das muss noch nicht in der
nächsten Saison sein – irgendwann wieder den Aufstieg in die erste Liga schaffen
würden.


