Luchse unterliegen dem Titelverteidiger Thüringer HC im DHB-Pokal in einem Spiel auf Augenhöhe 27:32

In der 2. Runde des DHB-Pokals trafen die Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten in der mit fast 600 Zuschauern gefüllten NordHeideHalle auf den Titelverteidiger Thüringer HC. Was wohl niemand erwarten konnte, es entwickelte sich ein rasantes und hochklassiges Handballspiel, dass die Luchse als krasser Außenseiter gegen den haushohen Favoriten mit großartiger Leistung bis zur 55. Spielminute ausgeglichen gestalten konnten. Die begeisterten Fans unterstützten ihre Mannschaft über die gesamte Spielzeit so leidenschaftlich, dass Gästetrainer Herbert Müller dem Luchse Publikum in der Pressekonferenz ein großes Lob aussprach: „Wir erleben selber bei unseren Heimspielen in Langensalzar wie wichtig die Zuschauer für das Spiel der eigenen Mannschaft sein kann. Ich muss dem Buchholzer Publikum ein großes Lob zollen, das ihre Mannschaft zu solch unfassbaren tollen Leistung motiviert hat. Das war Werbung für den Handball.“

In der ersten Halbzeit entwickelte sich ein unglaublich schnelles Spiel, in dem die HL Buchholz 08-Rosengarten stets mit einem Tor in Front lagen und der THC postwendend ausgleichen konnte, da die 6-0 Deckung der Heimmannschaft noch keinen Zugriff auf das schnelle Positionsspiel der Gäste fand. Der Angriff der Luchse agierte aber so flink und variantenreich, dass nach der 6:5 Führung durch Sarah Lamp in der 11. Minute Gästetrainer Herbert Müller die erste Auszeit nahm, um sein überraschtes Team neu einzustellen. Aber das änderte zunächst am Spielverlauf wenig, im Gegenteil – Zeliha Puls gelang in der 18. Minute der erste 2-Tore Vorsprung, doch als die Norddeutschen anschließend bei vier Angriffen ihre Chancen vergaben, schlug der Titelverteidiger mit einem 4:0 Lauf eiskalt zurück, denn in der 20. Minute drehten die Thüringerinnen durch Almudena Rodriguez das Spiel und führten mit 10:12. Luchse Trainer Dubravko Prelcec setzte in der Abwehr auf die offensivere 5-1 Variante, um mehr Zugriff auf die gegnerischen Spielerinnen zu bekommen. Tatsächlich zwangen die HL Buchholz 08-Rosengarten den Titelverteidiger zu Fehlern und konnten mit Zeliha Puls Treffer nicht nur ausgleichen, sondern in der 23. Minute durch einen von Kim Bernd verwandelten Strafwurf ihrerseits mit 13:12 die Führung übernehmen. Die Torfolge entwickelte sich ähnlich wie in den ersten Minuten des Spiels und bis zum Halbzeitpfiff konnten die Luchse mit dem Treffer von Marleen Kadenbach die knappe 1-Tore-Führung behaupten.

Im zweiten Abschnitt der Partie spielten und kämpften die Luchse weiter sehr mutig und konzentriert, aber die letzte Führung konnte nur bis zur 33. Minute behauptet werden, danach übernahmen die Gäste das Kommando, es gelang ihnen aber nicht, sich entscheidend absetzen. Trotz nachlassender Kräfte ließen sich die Luchse nicht abschütteln, sondern verkürzten immer wieder die knappe 2-Tore-Führung. Beim Stande von 23:24 in der 44. Minute hatte Kim Berndt die Möglichkeit wieder auszugleichen, aber ihr Strafwurf krachte gegen das Lattenkreuz. Die Zeitstrafen von Evelyn Schulz und Julia Herbst schienen die endgültige Entscheidung für den Favoriten zu bedeuten, denn gekonnt und routiniert nutzte der Titelverteidiger die Schwächung der Luchse durch eine 4-Tore-Führung durch Alicia Stolle zum 24:28 in der 48. Minute. Dubravko Prelcec zog die grüne Karte, um seine Mannschaft noch einmal aufzumuntern. Es war schon sensationell, dass die Luchse noch einmal alle Kräfte mobilisieren konnten und durch einen 3:0 Lauf wieder auf 28:29 verkürzten. Aber in den letzten fünf Minuten der Partie schwanden dem Außenseiter das Glück und die Kräfte. Ab der 55. Minute dominierte nur noch der THC und beendete mit einem 4:0 Lauf das Spiel mit einem insgesamt verdienten 27:32 Sieg gegen den amtierenden Meister der 2. Bundesliga.

Die Luchse haben dem 7-maligen deutschen Meister in einem mitreißenden Spiel alles abverlangt und ihrem tollen Publikum die mit Abstand beste Saisonleistung gezeigt. Niemand konnte erwarten, dass die HL Buchholz 08-Rosengarten so lange auf Augenhöhe mitspielen würden, aber dem Trainer-Team ist es auch gelungen mit ihren wechselnden Aufstellungen den Gegner vor immer neue Herausforderungen zu stellen. Es zeigt ebenfalls die Breite des Kaders. Es ist sehr erfreulich, dass die Luchse in einem Spiel auf höchstem Niveau so lange konzentriert agiert haben, denn sie gestatteten dem THC nur zwei Tore aus Kontern und zeigten eine insgesamt starke Abwehrleistung gegen eine Ausnahme-Mannschaft.

Als Luchse Trainer Dubravko Prelcec in seiner gewohnt bescheidenen Art äußerte: „Ich bedanke mich auch bei meinem Kollegen Herbert Müller, dass wir so lange mitspielen durften…“, stellte der Thüringer Trainer klar, dass die Luchse seine Mannschaft vor große Probleme gestellt hätte und dass der Außenseiter sein Team genauso gefordert hätte wie der Bundesliga Spitzenreiter Borussia Dortmund. Dubravko Prelcec zeigt sich anschließend auch mit dem Spiel seines Teams sehr zufrieden: „Ich muss natürlich insgesamt meiner Mannschaft ein großes Lob zollen, dass sie gegen diesen großartigen Gegner so lange das Spiel offen halten konnte. Leider war es uns nicht vergönnt die ganz große Sensation zu realisieren, aber wir haben ein wenig daran geschnuppert und das hätte ja auch kaum jemand für möglich gehalten. Für mich ist auch sehr erfreulich, dass wir in diesem Spiel unsere Fehlerquote minimieren konnten. Auch unser Angriff hat sehr mutig agiert und schöne Kombinationen gezeigt.“ Sven Dubau der Geschäftsführer der Luchse ist total begeistert über den Verlauf des Spiels: „Es war ein wunderbares Pokalspiel und unsere tollen Fans haben die Mannschaft zu Höchstleistungen gepusht. Es hat sich gezeigt, dass unsere erfahrenen Spielerinnen wie Mareike Vogel im Tor oder Kim Land mit ihrer Übersicht, Johanna Heldmann mit ihrer Wurfgewalt und Sarah Lamp mit ihrer Unberechenbarkeit für uns unverzichtbar sind. Aber auch unsere jungen Spielerinnen haben sich nicht versteckt.“

Luchse:

Vogel, Löbig, Schulz (1), Land (5), Kadenbach (3), Heldmann (6), Nicolai (1), Lamp (6/1/1/), Berndt (2/3/2), Herbst, Geist, Hauf, Borutta, Puls (3)

THC:

Davidsen, Giegerich, Fernandez-Lopes, Scheffknecht, Mazzucco (1), Rodriguez (4), Sazdovska (1), Schmelzer (6), Stolle (2), Koresova (9/5/4), Bölk (4), Großmann (2), Mässing (1), Jakubisova (2)

Foto: Kathrin Röhlke