Dramatik pur im Luchsbau, gerechtes 24:24 im Top-Spiel gegen Mainz

Am 20. Spieltag trafen die HL Buchholz 08-Rosengarten in der heimischen NordHeideHalle auf den seit sieben Spielen siegreichen Tabellenvierten 1. FSV Mainz 05. Alles was im Vorfeld über eine enge Partie auf Augenhöhe gesagt und geschrieben worden war, bewahrheitete sich. Die begeisterten Zuschauer erlebten im voll besetzten Luchsbau (525 Zuschauer) ein rasantes und hochklassiges Handballspiel, in dem alle technischen und taktischen Raffinessen geboten wurden, die den Handballsport so auszeichnen. Mit dem Unentschieden behaupteten die Luchse mit 33:7 Punkten ihre Tabellenführung vor den Kurpfalz Bären Ketsch, die in Waiblingen die „Tigers“ knapp mit 27:30 bezwangen.

Im Spitzenspiel gegen die „Meenzer Dynamites“ waren die Voraussetzungen für die jungen Norddeutschen alles andere als günstig, denn nach Zeliha Puls und Sarah Lamp stand auch die ungemein erfahrene Kreisspielerin Evelyn Schulz nicht zur Verfügung, allerdings konnte das Trainer-Team auf Julia Herbst zurückgreifen, deren Fingerbruch ausgeheilt war.

Foto: Karsten Schaar

Voller Selbstvertrauen erzielte die Mainzer Tormaschine bereits nach 30 Sekunden das 0:1 durch Janka Bauer, aber zur Freude der Zuschauer hielten die jungen Luchse dagegen und konnten in der 6. Spielminute eine 2-Tore-Führung durch Lisa Borutta zum 6:4 bejubeln. In der Folgezeit dominierte die Heimmannschaft, denn die ungemein flinke und im Verbund arbeitende 5-1 Deckung setzte die Mainzerinnen verstärkt unter Druck und zwang sie zu Fehlern. Im Positionsspiel agierten die Luchse gegen die offensive Mainzer Deckung geduldig und Spielmacherin Kim Land führte geschickt Regie und demonstrierte auch selbst ihre Torgefährlichkeit. Beim Stand von 7:4 zückte Gästetrainer Thomas Zeitz die grüne Karte, um seine Mannschaft neu einzustellen, aber bis zur 11. Minute konnten die HL Buchholz 08-Rosengarten auf 9:5 erhöhen. Aber im Gegensatz zu früheren Begegnungen ließen sich die „Meenzer Dynamites“ nicht abschütteln und glaubten unbeirrbar an ihre Fähigkeiten, was sich auszahlen sollte. Bei ihren schnellen Positionsangriffen kamen sie in der 16. Minute beim Stande von 8:9 wieder auf ein Tor heran, zumal den Luchsen etliche technische Fehler unterliefen. Selbst als die HL Buchholz 08-Rosengarten durch die unglaublich dynamische Lynn Schneider in der 25. Minute wieder den Vorsprung auf vier Zähler ausbauen konnten, blieben die Hessinnen bis zum Abpfiff der ersten Hälfte mit dem 14:12 für die Luchse auf Schlagdistanz.

Auffällig in den ersten 30 Minuten war das selbstbewusste Auftreten der Gäste in der NordHeideHalle, die dennoch nicht verhindern konnten, dass die Luchse den insgesamt spielstärkeren Eindruck hinterließen. Das Trainer-Team um Dudo Precec hatte die Mannschaft physisch und taktisch ausgezeichnet auf den großartigen Gegner eingestellt und die ungemein agile 5-1 Abwehr ließ die wurfgewaltigen Hessinnen kaum zur Entfaltung kommen.

Foto: Karsten Schaar

In der 2. Halbzeit erwischten die HL Buchholz 08-Rosengarten einen Blitzstart und setzten sich bis zur 33 Minute wieder mit vier Toren ab als Cassandra Nanfack zum 16:12 einnetzte. Den Luchsen gelangen etliche Balleroberungen, um frühzeitig das Spiel zu entscheiden, aber sie nutzen ihre Chancen nicht und vergaben unkonzentriert klare Möglichkeiten zum Torerfolg. In dieser Phase machte sich besonders das Fehlen von Zeliha Puls bemerkbar, die in solchen Situationen immer ein Torgarant war. Aber noch bis zur 37. Minute behaupteten sie ihre 4-Tore-Führung und vergaben in der Folgezeit weitere hochkarätige Möglichkeiten. Das brachte die unbeirrbar kämpfenden „Meenzer Dynamites“ wieder auf den Plan und sie nutzten die Gunst der Stunde. Langsam aber sicher kamen sie dem Tabellenführer immer näher und konnten in der 50. Minute durch Selina Adeberg zum 19:19 ausgleichen – das Spiel entwickelte sich in seiner Endphase zu einem echten Krimi. Bis zur 58. Spielminute war der Ablauf immer gleich, die Luchse gingen in Führung, die Gäste glichen aus. Die Spannung war zum Greifen nah und das phantastische Publikum peitschte das Team immer wieder nach vorne. Doch in der 59. Spielminute brachte Larissa Platen die „Dynamates“ in Führung – die erste seit Spielbeginn. Die Zuschauer im Luchsbau wurden noch lauter, um nach der Auszeit von Dudo Prelcec ihre Mannschaft noch zum verdienten Ausgleich anzufeuern. Und so waren es dann am Ende die winzigen Nuancen, die in diesem „Kracher“ den Schlusspunkt setzten. Ein von Marleen Kadenbach abgefeuerter Wurf knallte gegen das Lattenkreuz, doch der Ball konnte von den Luchsen aufgenommen werden und nach einem tollen Anspiel von Kim Land auf Lynn Schneider wurde der Kreisläuferin in den Wurfarm gegriffen. Obwohl selbst gefoult übernahm sie Verantwortung und verwandelte 11 Sekunden vor Ende der Partie den Strafwurf souverän zum verdienten 24:24 Endstand.

Dudo Prelcec ist dennoch froh über den Auftritt seiner Mannschaft: „Wir haben heute ein tolles Spiel gegen einen bärenstarken Gegner geliefert. Unsere 5-1 Deckung und später auch die 3-2-1 Formation haben mit den jungen Spielerinnen ausgezeichnet funktioniert. Aber wir haben vorne zu viel liegen lassen und ich bin dennoch stolz auf meine Mannschaft, die trotz der vielen Konzentrationsmängel niemals an sich gezweifelt hat. Meinem Kollegen Thomas Zeitz möchte ich meine Anerkennung zollen, der sein Team nicht nur spielerisch, sondern mental weiter gefestigt hat, das immer an seine Chance glaubt.“

Die Zuschauer in der NordHeideHalle lieben die engen Spiele und sind in dieser großartigen Begegnung voll auf ihre Kosten gekommen, zumal sie wieder zum Faktor wurden. Letztlich war überraschend, dass die HL Buchholz 08-Rosengarten das spielerisch reifere Team waren und besonders in der Abwehr super funktionierte. Aber die junge Mannschaft hat es versäumt bei der Etablierung ihres Tempospiels die hochkarätigen Chancen zu verwerten. Eigentlich verliert man dann solche Spiele, deshalb ist es der Mannschaft hoch anzurechnen, dass sie in keiner Phase den Kopf verloren hat.

Matthias Steinkamp vom Luchse Trainer-Team stellt fest: „Wir haben den Heimspielnimbus mit einem lachenden und weinenden Auge gewahrt. Das Team kann sich kämpferisch keinen Vorwurf machen – individuell müssen wir uns jedoch weiterentwickeln und Fehler nicht wiederholen. Kompliment an das Luchse-Publikum. Vor fast ausverkauften Rängen fällt es leicht Höchstleistungen abzurufen.“

Foto: Karsten Schaar

Sven Dubau, der Geschäftsführer der HL Buchholz 08-Rosengarten resümiert abschließend: „Bei aller berechtigten Kritik dürfen wir aber nicht vergessen, welch ein verjüngtes Gesicht die Mannschaft, den Umständen geschuldet, im Vergleich zum Hinspiel bekommen hat. 10 technische Fehler sind natürlich immer noch zu viel, besonders vier infolge. Ich bin aber zuversichtlich, dass das Team weiter an sich arbeiten wird, um das abzustellen.“

Luchse:

Vogel, Filter, Land (5), Schultze, Kadenbach (4), Nicolai, Schneider, Nanfack (1), Herbst (1), Schneider (8/3/3), Axmann (1/2/1), Hauf (2), Borutta (2), Volkmann

Mainz:

Schäfer, Gerken, Gangel (3), Bauer (4), van Rossum (3), Soffel (6/1/1), Hartstock (1), Platen (3/1/0), Adeberg (2), Cipaian (1), Reuter, Burkholder (1), Golla (1)